Folge #35: Vom Wissen ins Spüren – zurück zu deiner inneren Stimme

05. Okt. 2026

Nervenstark verbunden
Nervenstark verbunden
#35: Vom Wissen ins Spüren – zurück zu deiner inneren Stimme
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Wir leben in einer Zeit, in der uns unglaublich viel Wissen zur Verfügung steht. Eigentlich müssten wir uns dadurch doch sicherer fühlen, oder?

Wir können innerhalb weniger Sekunden herausfinden, wie wir uns optimal ernähren, wie viel Bewegung gesund ist, wie wir unsere Kinder bindungsorientiert begleiten, besser schlafen, entspannter leben oder unser Nervensystem regulieren können.

Und trotzdem habe ich bei mir selbst etwas Spannendes beobachtet: Je mehr ich wusste, desto unsicherer wurde ich manchmal.

Denn plötzlich gab es nicht mehr nur mein eigenes Gefühl. Da waren all die Stimmen im Aussen, die mir sagten, was richtig, gesund und wichtig ist.

Wenn Wissen nicht mehr Sicherheit bringt

Ich liebe es, Neues zu lernen und Zusammenhänge zu verstehen. Das war schon immer so. Wissen fasziniert mich und natürlich ist fundiertes Expertenwissen unglaublich wertvoll.

Doch ich habe in meinem Leben auch Phasen erlebt, in denen aus dieser Neugier eine starke Orientierung im Aussen wurde.

Besonders deutlich habe ich das bei den Themen Ernährung und Erziehung gespürt.

Ins Thema Ernährung bin ich tief eingetaucht. Ich habe mit der Zeit so viel über Nährstoffe gewusst, Kalorientabellen im Kopf gehabt und automatisch Lebensmittel in «gut» und «schlecht» eingeteilt. Ich konnte kaum mehr nach Lust und Laune essen, geschweige denn das Essen richtig geniessen können. Statt dessen habe ich meine Ernährung ständig analysiert. Das hat sich anstrengend und unfrei angefühlt.

Gleichzeitig widersprach sich Vieles, was ich gelernt hatte. Ich war verwirrt.

Ähnlich erging es mir als Mama.

Ich wollte meine Kinder liebevoll begleiten und natürlich „richtig“ auf ihre Bedürfnisse eingehen. Also las ich Bücher, hörte Podcasts und beschäftigte mich mit verschiedenen Erziehungsansätzen.

Doch irgendwann merkte ich: All dieses Wissen machte mich nicht automatisch sicherer.

Im Gegenteil.

Denn je mehr Stimmen von aussen dazukamen, desto schwieriger wurde es manchmal, meine eigene überhaupt noch zu hören.

Was sagt eigentlich mein Körper?

Vielleicht kennst du das auch.

Du fragst dich nicht mehr zuerst: „Was tut mir gut?“, sondern: „Was sollte ich tun?“

Du bewegst dich, weil du weisst, dass Bewegung gesund ist – obwohl dein Körper vielleicht gerade Ruhe braucht.

Du versuchst, dein Kind nach einem bestimmten Konzept zu begleiten – obwohl du spürst, dass die Situation gerade etwas ganz anderes von dir verlangt.

Oder du weisst theoretisch ganz genau, was dir guttun würde, hast aber den Kontakt dazu verloren, was du in diesem Moment tatsächlich brauchst.

Für mich hat sich durch die Arbeit mit meinem Körper, meiner Atmung und meinem Nervensystem sehr viel verändert.

Meine Aufmerksamkeit wanderte langsam wieder vom Aussen nach innen.

Ich begann, mich nicht nur zu fragen:

Was weiss ich?

Sondern auch:

Was spüre ich?

„Was brauche ich gerade?“

Diese kleine Frage ist für mich heute unglaublich kraftvoll:

Was brauche ich gerade?

Nicht morgen. Nicht grundsätzlich. Nicht laut irgendeinem Ratgeber.

Jetzt.

Vielleicht brauche ich Bewegung. Vielleicht Ruhe. Vielleicht möchte ich alleine sein oder gerade einen Menschen bei mir haben. Vielleicht brauche ich frische Luft, etwas Warmes zu essen, eine Umarmung, Musik oder fünf Minuten, in denen niemand etwas von mir möchte.

Je besser wir unseren Körper wahrnehmen, desto früher können wir seine Signale erkennen.

Wir müssen nicht erst völlig erschöpft sein, um zu merken, dass wir eine Pause brauchen.

Wir müssen nicht erst explodieren, um festzustellen, dass unsere Grenzen längst überschritten wurden.

Wir dürfen wieder lernen, die leiseren Signale wahrzunehmen.

Und genau dabei kann Nervensystemarbeit unterstützen.

Vom Kopf in den Körper: Top-down und Bottom-up

In meiner Arbeit verbinde ich gerne zwei Zugänge miteinander: den Top-down- und den Bottom-up-Ansatz.

Top-down bedeutet vereinfacht gesagt, dass wir über unseren Verstand arbeiten. Wir verstehen Zusammenhänge, erkennen Muster und bekommen Wissen an die Hand.

Zum Beispiel: Was passiert in meinem Nervensystem, wenn ich gestresst bin? Warum reagiere ich in bestimmten Situationen so stark? Was macht meine Atmung unter Anspannung?

Ich finde dieses Wissen unglaublich wertvoll. Denn wenn wir verstehen, was in uns passiert, können wir uns selbst oft mit viel mehr Verständnis begegnen.

Doch Wissen allein reicht nicht immer.

Deshalb kommt für mich der Bottom-up-Ansatz dazu: Wir arbeiten über den Körper. Über die Atmung, Bewegung, Körperwahrnehmung und andere körperorientierte Übungen.

Wir versuchen also nicht nur, Regulation zu verstehen, sondern sie zu erfahren.

Und genau diese Verbindung finde ich so kraftvoll.

Der Kopf darf verstehen.

Der Körper darf erfahren.

Und mit der Zeit entsteht daraus etwas, das kein Ratgeber der Welt für uns übernehmen kann: unsere eigene Wahrnehmung.

Expertenwissen darf Orientierung sein – nicht deine innere Stimme ersetzen

Ich möchte Expertenwissen deshalb überhaupt nicht schlechtreden. Im Gegenteil: Es kann uns Orientierung geben, neue Perspektiven eröffnen und uns helfen, Zusammenhänge zu verstehen, die wir alleine vielleicht nicht erkannt hätten.

Aber vielleicht dürfen wir danach wieder einen Schritt zurück zu uns machen.

Statt:

„Die Expertin sagt, ich muss das so machen.“

könnten wir uns fragen:

„Spannend. Wie ist das bei mir?“

Was davon passt zu meinem Leben?

Was funktioniert für meine Familie?

Wie reagiert mein Körper darauf?

Was fühlt sich stimmig an?

Wir dürfen Wissen als Angebot betrachten – und gleichzeitig unsere eigene Wahrnehmung mit an den Tisch holen.

Warum ich möchte, dass du mich irgendwann weniger brauchst

Diese Haltung prägt auch meine Arbeit im 1:1 Coaching.

Natürlich gebe ich meinen Kund/innen Wissen mit. Ich erkläre Zusammenhänge rund um Nervensystem und Atmung, gebe Impulse, Übungen und individuell eingesprochene Atemaudios mit und begleite sie auf ihrem Weg.

Gerade am Anfang kann es unglaublich wohltuend sein, jemanden an der Seite zu haben, der Orientierung gibt.

Doch mein Ziel ist nicht, dass du mich irgendwann bei jeder schwierigen Situation fragst:

„Eva, was soll ich jetzt tun?“

Mein Ziel ist vielmehr, dass du immer häufiger selbst spürst:

„Ah, ich merke, was hier gerade passiert. Und ich weiss, was ich jetzt brauche.“

Ich möchte dich ein Stück an die Hand nehmen – und diese Hand dann nach und nach wieder loslassen.

Nicht, weil du danach alles weisst.

Sondern weil du dir selbst wieder mehr vertraust.

Vielleicht brauchst du gerade nicht noch mehr Input

Und deshalb möchte ich diesen Artikel mit einer kleinen Einladung beenden.

Vielleicht liest du nicht gleich den nächsten Artikel.

Vielleicht hörst du nicht sofort den nächsten Podcast.

Vielleicht suchst du für einen Moment keine weitere Antwort im Aussen.

Leg dein Handy weg. Spüre deine Füsse auf dem Boden. Nimm deinen Atem wahr, ohne etwas verändern zu müssen.

Und dann frag dich:

Wie geht es mir eigentlich gerade?

Was brauche ich?

Du musst nicht sofort eine Antwort haben.

Vielleicht nimmst du nur ein kleines Signal wahr.

Einen tiefen Atemzug. Den Wunsch, dich zu strecken. Etwas zu trinken. Kurz nach draussen zu gehen. Die Augen zu schliessen. Jemanden zu umarmen.

Vielleicht dürfen wir wieder lernen, genau diesen kleinen Signalen zuzuhören.

Denn Wissen kann uns Orientierung geben. Andere Menschen können uns begleiten. Expertinnen können uns Zusammenhänge erklären.

Aber die Verbindung zu dir selbst kann dir niemand abnehmen.

Und vielleicht liegt genau darin eine ganz besondere Form von Sicherheit:

Nicht auf alles eine Antwort zu wissen – sondern darauf zu vertrauen, dass du dich selbst immer besser hören kannst.


Mein Name ist Eva. Ich bin Mama von zwei Kindern, Pädagogin, Yogalehrerin und Atemcoach. Ich unterstütze dich dabei, dich weniger überreizt und erschöpft zu fühlen und stattdessen mit mehr innerer Ruhe, Gelassenheit und Energie deinen Familienalltag zu geniessen. Und das ganz ohne zeitintensive Praxis.

Für einen Familienalltag, der sich nährend statt zehrend anfühlt.

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