Manchmal liegt das Glück ganz unspektakulär am Wegrand.
In einer Tasse Kaffee, die du in Ruhe trinken kannst.
In den Sonnenstrahlen auf deinem Gesicht.
In einem Kind, das deine Hand nimmt.
In einem Gespräch, bei dem du dich wirklich gesehen fühlst.
Oder in diesem einen Moment am Abend, wenn endlich Ruhe einkehrt und du merkst: Eigentlich ist gerade ganz schön viel Schönes in meinem Leben.
Ich glaube, wir übersehen solche Momente erstaunlich oft.
Nicht, weil wir undankbar sind. Sondern weil unser Gehirn ziemlich gut darin ist, all das wahrzunehmen, was noch nicht stimmt, was fehlt, was schwierig ist oder dringend unsere Aufmerksamkeit braucht.
Und genau deshalb ist Dankbarkeit für mich schon sehr lange ein wichtiger Wegweiser.
Dankbarkeit begleitet mich schon mein ganzes Leben
Wenn ich zurückdenke, war Dankbarkeit irgendwie schon immer ein Teil von mir. Schon als Kind konnte ich mich unglaublich über kleine Dinge freuen und hatte immer wieder dieses Gefühl: Wie schön, dass es das gibt.
Heute ist Dankbarkeit für mich weniger ein künstliches „Ich muss jetzt dankbar sein“, sondern vielmehr eine Art, auf mein Leben zu schauen.
Denn natürlich gibt es auch in meinem Leben Dinge, die anstrengend sind. Tage, an denen ich gereizt bin. Situationen, die mich fordern. Momente, in denen ich mich nach etwas sehne, das gerade nicht da ist.
Aber gleichzeitig gibt es eben auch all das andere.
Und je öfter ich meinen Blick darauf richte, desto mehr davon entdecke ich.
Ein Satz begleitet mich dabei schon lange:
„It’s not happy people who are grateful – it’s grateful people who are happy.“
Ich finde diesen Gedanken wunderschön, weil er die Richtung verändert.
Wir müssen nicht erst glücklich werden, damit wir dankbar sein können.
Vielleicht können wir auch beginnen, dankbar wahrzunehmen, was bereits da ist – und dadurch mehr Glück und Zufriedenheit entstehen lassen.
Warum ich heute lieber von Fülle spreche
Das Wort Dankbarkeit ist inzwischen fast ein bisschen abgenutzt. Wir kennen die Dankbarkeitstagebücher, die Morgenroutinen und die Aufforderung, jeden Tag drei Dinge aufzuschreiben, für die wir dankbar sind.
Und trotzdem glaube ich nicht, dass Dankbarkeit deshalb weniger wertvoll geworden ist.
Ich persönlich spreche mittlerweile allerdings lieber von Fülle.
Denn Fülle fühlt sich für mich weiter an.
Es geht nicht nur darum, für etwas dankbar zu sein. Es geht um dieses innere Gefühl von:
Da ist genug.
Vielleicht sogar:
Ich bin getragen vom Leben.
Fülle kann ganz leise sein. Sie muss überhaupt nichts mit materieller Fülle oder einem perfekten Leben zu tun haben.
Ich kann mich mitten in einem herausfordernden Familienalltag kurz erfüllt fühlen.
Ich kann traurig sein und gleichzeitig Fülle empfinden.
Ich kann müde sein und trotzdem merken, wie reich mein Leben ist.
Das finde ich so kraftvoll: Fülle bedeutet nicht, dass alles gut sein muss.
Sie bedeutet, dass wir auch das Gute sehen können, während das Schwierige da ist.
Unser Gehirn sucht nach dem, was fehlt
Und hier kommt unser Gehirn ins Spiel.
Unser Nervensystem und unser Gehirn sind nicht primär darauf ausgerichtet, uns glücklich zu machen. Sie wollen uns vor allem sicher durch die Welt bringen.
Deshalb springen wir viel schneller auf Probleme, Gefahren und Unstimmigkeiten an.
Was könnte schiefgehen?
Was muss ich noch erledigen?
Warum hat mein Kind heute schon wieder so reagiert?
Was fehlt mir noch?
Was müsste eigentlich anders sein?
Das ist nicht falsch. Es ist ein uraltes Überlebensprogramm.
Aber wir können lernen, unserem Gehirn auch etwas anderes anzubieten.
Wir können anfangen, gezielt nach dem Guten Ausschau zu halten.
Und je öfter wir das tun, desto leichter wird es uns fallen.
Werde zum Glücksjäger
Eine meiner liebsten Übungen ist deshalb ganz einfach:
Halte Ausschau nach Fülle.
Nicht irgendwann. Nicht erst im Urlaub. Nicht wenn alle Aufgaben erledigt sind.
Heute.
Während du deinen Kaffee trinkst.
Auf dem Weg zur Arbeit.
Beim Spaziergang.
Wenn dein Kind dich spontan umarmt.
Wenn du unter der Dusche das warme Wasser auf deiner Haut spürst.
Wenn du am Abend im Bett liegst und merkst, dass dieser Tag nun vorbei ist.
Du kannst dir zwischendurch immer wieder die Frage stellen:
Wo ist gerade Fülle?
Vielleicht findest du etwas ganz Kleines.
Und genau darum geht es.
Denn vielleicht müssen wir gar nicht mehr Glück in unser Leben hineinbringen.
Vielleicht dürfen wir vielmehr lernen, das Glück, das schon da ist, wieder häufiger zu bemerken.
Eine kleine Übung für deinen Alltag
Wenn du Lust hast, probiere in den nächsten Tagen einmal Folgendes:
1. Spüre Fülle in deinem Körper
Schließe für einen Moment die Augen und erinnere dich an etwas, für das du dankbar bist.
Nicht nur gedanklich.
Spüre, was diese Erinnerung in deinem Körper auslöst.
Wird dein Brustraum weiter?
Entspannt sich dein Bauch?
Wird dein Atem ruhiger?
Entsteht Wärme?
Lass dieses Gefühl für ein paar Atemzüge da sein.
2. Halte immer wieder inne
Du musst dafür keine zehn Minuten meditieren.
Ein paar Sekunden reichen.
Schau dich um und frage dich:
Was ist gerade schön?
Vielleicht ist es das Licht im Raum. Vielleicht ein Geräusch. Vielleicht die Ruhe. Vielleicht einfach dein Atem.
3. „Count your blessings“
Wenn du einen schlechten Tag hast, versuche nicht unbedingt, dich sofort besser zu fühlen.
Du darfst dich schlecht fühlen.
Und gleichzeitig kannst du dich fragen:
Was ist trotzdem da?
Welche Menschen?
Welche Möglichkeiten?
Welche kleinen Dinge, die dich tragen?
Manchmal verändert diese Frage nicht die Situation – aber sie verändert unseren Blick darauf.
4. Schreibe deine Fülle-Momente auf
Mein Dankbarkeitstagebuch ist dabei ein kleines, aber wirkungsvolles Ritual geworden.
Am Abend schreibe ich auf, was an diesem Tag schön war.
Manchmal sind es grosse Dinge.
Oft sind es ganz kleine.
Und genau diese kleinen Dinge möchte ich nicht übersehen.
Ich möchte zum Glücksjäger werden.
Zu jemandem, der nicht nur auf das schaut, was noch fehlt, sondern immer wieder entdeckt, was bereits da ist.
Vielleicht liegt das Glück tatsächlich am Wegrand
Ich glaube nicht, dass ein dankbares Leben bedeutet, dass wir alles schönreden müssen.
Es bedeutet nicht, dass wir uns unsere Gefühle verbieten oder schwierige Situationen mit einem „Sei doch dankbar!“ wegwischen.
Im Gegenteil.
Für mich bedeutet Fülle, das ganze Leben sehen zu können.
Das Schwere und das Leichte.
Die Erschöpfung und die Freude.
Das, was fehlt, und das, was bereits da ist.
Und vielleicht ist genau das eine Form von innerer Verbundenheit.
Nicht darauf zu warten, dass irgendwann alles perfekt ist.
Sondern mitten in diesem unperfekten, manchmal chaotischen, manchmal wunderschönen Leben immer wieder stehen zu bleiben und zu denken:
Wow. Das hier ist mein Leben. Und es gibt so vieles, wofür ich dankbar sein kann.
Vielleicht möchtest du heute einmal ausprobieren, zum Glücksjäger zu werden.
Schau dich um.
Was findest du?
Vielleicht liegt dein kleines Glück ja schon direkt am Wegrand.
In der neuen Folge von „Nervenstark verbunden“ erzähle ich dir noch mehr darüber, was Dankbarkeit und Fülle für mich bedeuten, warum unser Gehirn so stark auf Mangel fokussiert ist und welche kleinen Übungen mir helfen, meinen Blick immer wieder auf das zu richten, was bereits da ist.
Ich wünsche dir ganz viel Freude beim Hören – und beim Entdecken deiner kleinen Fülle-Momente. ✨
Mein Name ist Eva. Ich bin Mama von zwei Kindern, Pädagogin, Yogalehrerin und Atemcoach. Ich unterstütze dich dabei, dich weniger überreizt und erschöpft zu fühlen und stattdessen mit mehr innerer Ruhe, Gelassenheit und Energie deinen Familienalltag zu geniessen. Und das ganz ohne zeitintensive Praxis.
Für einen Familienalltag, der sich nährend statt zehrend anfühlt.
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